Siquijor Island sei ein vom Tourismus relativ unberührtes, romantisches Inselchen für Naturliebhaber.
So oder so ähnlich wird Siquijor in Reiseführern, auf Online-Portalen, in Reisegruppenchats und auch im Gespräch mit Mitreisenden angepriesen.
Deshalb habe ich – getreu meinem Kindheitsmotto beim Essen „Das Beste immer zum Schluss“ – die Philippinen Reiseroute so geplant, dass diese kleine Insel am Ende unserer Rundreise steht.
Nun von der Realität eingeholt, könnte die Enttäuschung nicht größer sein.
Natürlich war die Erwartungshaltung zu hoch und zugegeben ist durch die umständliche, zeitraubende, stressige Reiserei der vergangenen drei Tage viel Unmut entstanden:
vorweg: man kann Tickets natürlich online erwerben. Davon wurde mir abgeraten, weil online gebuchte Tickets nicht erstattet werden, wenn die Fähre (unwetterbedingt) ausfällt. Außerdem müsse man bei den verschiedenen Reedereien vor dem Ticketkauf einen account anlegen. Darüber hinaus müsse man bei bestimmten Gesellschaften das Ticket ausgedruckt vorlegen!!!
Die meisten Inseln haben mehrere Häfen. Man muss heraus finden, welches Unternehmen in welchem der Häfen, welche Linien zu welchen Zeiten bedient. Man muss Stunden vor Abfahrt am Hafen sein, um Tickets zu kaufen (geht mal ganz schnell, manchmal steht man ewig in einer Schlange an). Dann sitzt man gefühlt eine Ewigkeit in einem Abfahrtsterminal mit hunderten von Mitreisenden. Die Fähren haben fast immer (massive) Verspätungen, die Informationen darüber sind äußerst spärlich – oft über völlig übersteuerte, unverständliche Lautsprecherdurchsagen. Irgendwann sitzt man dann mehr oder weniger bequem und genießt oder erleidet die stundenlange Überfahrt. Dann wieder an Land beginnt der ewige Stress mit den TukTuk- oder Tricyclefahrern. Bekommt man überhaupt ein Fahrzeug? Ist der Fahrer bereit, dich zur gewählten Adresse zu bringen (oder ist ihm die Fahrt nicht lukrativ genug)? Ist sein aufgerufener Preis vernünftig, so dass du ein gutes Trinkgeld geben kannst (win-win), oder ist er unverschämt in seinen Forderungen, so dass du dich wie ein machtloser Idiot fühlst? Angekommen bei der Unterkunft dann Zufriedenheit, Ernüchterung oder Frustration über den Abgleich zwischen dem, was booking.com und Konsorten dir in ihren Anzeigen versprochen haben und dem, was die Realität dir nun bietet? Zu guter Letzt die Frage, ob die Unterkunft ein gutes Abendessen anbietet oder ob zumindest fußläufig Restaurants zur Auswahl stehen. Auch diese Informationen liefern weder google noch google maps zuverlässig.

Bevor wir gestern auf Siquijor ankommen, haben wir zwei solcher Reisetage in Folge gehabt: Von Balbagon (auf Caminguin) mit der Fähre nach Jagna auf Bohol. Mit dem völlig überfüllten Van nach Tagbilaran. Übernachtung. Mit der Fähre von Tagbilaran zum Hafen von Siquijor. Mit dem Tricycle nach San Juan zur teuersten und gleichzeitig ätzendsten Unterkunft der gesamten Reise. Notgedrungen Übernachtung und stundenlange Recherche nach einem Ausweichquartier. Die Insel ist dermaßen touristisch versaut, dass für die allerletzten Hucken unverschämte Preise aufgerufen werden. Außerdem konzentriert sich die touristische Infrastruktur auf die Ringstraße, die die Insel umspannt, so dass man aufgrund von Straßenverkehrs- und Discolärm kaum eine ruhige Übernachtungsmöglichkeit findet.
Übermorgen geht unsere letzte Fähre – von Larena nach Liloan auf Cebu Island.