Es herrscht schon wieder ein Tropensturm über den Philippinen, und Visayas, die Inselgruppe, auf der wir unterwegs sind, ist stark betroffen. Nur gut, dass wir bereits auf Cebu Island sind (wir sind also nicht mehr auf eine funktionierenden Fähre angewiesen, um unseren Flug am Montag morgen zu erreichen).
Wir sind seit zwei Tagen in einem wunderschönen, kleinen Resort bei El Pardo (SeTu Divespot & Resort) untergekommen, das so komfortabel ist (gute Zimmer, nette Anlage, eigener Strandzugang mit Schnorchelmöglichkeiten, gutes Restaurant, …), dass wir uns bis Samstag nicht vom Fleck bewegen. Mit dem Bus werden wir morgen die 115 Kilometer bis Cebu City hinter uns bringen, eine weitere Nacht in einem Hotel in Flughafennähe haben, am Sonntag abend zum Airport fahren und hoffentlich gegen zwei Uhr am Montagmorgen Richtung Bangkok abheben.
Die „normale“ Regenzeit mit den üblichen Tropenstürmen auf den Philippinen sollte im Dezember zu Ende gehen. Dass wir Ende Januar/Anfang Februar 2026 auf unserer vierwöchigen Reise drei mal von Unwettern betroffen sind, lässt für die Zukunft des Inselstaates und dessen BewohnerInnen (der Tourismus ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, der Millionen von Menschen beschäftigt) angesichts des weiter fortschreitenden Klimawandels keine Hoffnung machenden Prognosen zu.
Wir haben in den vergangenen vier Wochen nur einen kleinen Teil der Philippinen, Visayas, besucht. Drei kleine Inseln (Pacijan, Camiguin undSequior mit einem Umfang zwischen knapp 50 bis 65 Kilometer), zwei Große Inseln (Cebu und Bohol) haben wir kennen gelernt.
Das Land erinnert mich sehr stark an Nicaragua. Der Klang der Sprache, die zersiedelte Landschaft, uneinheitliche, primitivste Stein-, Bambus-, Holz-, Wellblechbauweise entlang der Straßen. Die allermeisten Menschen sind – was materiellen Besitz angeht – sehr, sehr arm.
Ich als Tourist, der sich alles auf der Speisekarte leisten kann, empfinde das Essen eintönig, keine Chance für Vegetarier – Reis und Chicken, Chicken überall, wobei bis auf Knochen und Federn alles auf den Teller kommt. Fisch, Schwein und Rind wird auch komplett verwertet. Gemüse gibt es nur in winzigen Mengen. Salat so gut wie gar nicht.
Man bekommt hier und da eine frische Kokosnuss und auch Mangos, aber die meisten frischen Leckereien scheinen in den Export zu gehen. Oft versprechen die Speisekarten in besseren Restaurants eine große Auswahl, die dann aber im Ernstfall auf zwei, drei tatsächlich verfügbare Gerichte zusammen schrumpft.
Die Unterkünfte – wieder aus touristischer Sicht gesehen – zwar preiswert für unsere Verhältnisse, sind aber tatsächlich in den meisten Fällen ungeheuer schlicht und oft herunter gekommen – man hat offensichtlich kein Geld (und vielleicht auch kein Händchen), um eine Einrichtung in Stand und sauber zu halten.
Stromausfälle sind an der Tagesordnung – manchmal nur für kurze Zeit, manchmal für Stunden.
Einen ruhigen Ort zu finden, ist schwierig. Es gibt drei gewaltige, überall vorhandene Lärmquellen:
Verkehrslärm – Busse, LKW und motorisierte Zwei- bzw. Dreiräder
Karaoke – privat und öffentlich – unbarmherzig
Hühnergegacker, Hähnekrähen und Hundegebell – das Federvieh frühmorgens, die unzähligen Hunde sowohl als auch bis spät in die Nacht
Die Fortbewegungsmöglichkeiten für selbstorganisiertes Reisen sind grundsätzlich toll:
Für weite Strecken (Verbindungen zwischen den Inseln) stehen Fähren und Flüge zur Verfügung. Selbst auf kleineren Inseln gibt es Flughäfen. Die Preise für Inlandsflüge sind leider unglaublich niedrig. Um an Land längere Strecken zurück zu legen, gibt es zwischen Städte Buslinien. Man wartet am Straßenrand auf den nächsten Bus, gibt Handzeichen, der Bus hält (und ein Schaffner verstaut das Großgepäck unten im Gepäckraum) – ebenso kann man den Busfahrer an jeder Stelle der Fahrt zum Aussteigen anhalten lassen. Für die letzte Meile (zur Unterkunft z.B. oder um zum Fährhafen zu gelangen, gibt es TukTuks (häufig in Städten) und vor allem Tricycles (Motorräder mit aufgebautem Beiwagen).
Knackpunkt sind die Fähren. Zum einen fahren sie nicht bei schlechten Wetterbedingungen, so dass man großzügig planen muss. Zum anderen ist das Einchecken auf die Fähre – .überall wo wir waren – wahnsinnig umständlich und zeitaufwändig.
Um sich auf einer Insel fortzubewegen, ist der Scooter das Mittel der Wahl. Kostet pro Tag zwischen 5.- und 7.50€ (einschließlich zweier Helme) plus Spritkosten, nahezu jede Unterkunft bietet den Rollerverleih an, die Straßen sind meist in recht gutem Zustand, der Verkehr verläuft sehr diszipliniert und rücksichtsvoll.
Phim ist zum Glück eine gute Scooterfahrerin, aber es ist für mich eher eine Strafe einen (halben) Tag auf dem Roller sitzend zu verbringen, um nach aufwändiger Fahrt an einem Aussichtspunkt, einem Wasserfall oder an einer zu besichtigenden Höhle anzukommen. Man zahlt eine kleine Parkplatzgebühr, eine Eintrittgebühr und teilt sich dann die „Attraktion“ mit hunderten anderen Angelockten.
Die allermeisten Touristen sind wassersportmäßig unterwegs, d.h. sie fahren mit den Rollern zu den bekannten Schnorchel-, Freedive- oder Scubadivehotspots der jeweiligen Insel. Im Süden von Cebu Island gibt es z.B. eine Stelle, an der sich zu bestimmten Zeiten Walhaie aufhalten. Dorthin kommen morgens zig Busladungen tauchwütiger Touristen an, die zunächst auf kleine Boote verfrachtet, zum Walhaigebiet rausgefahren und an den entsprechenden Stellen ins Wasser gelassen werden, so dass sich unter Wasser hunderte „Naturliebhaber“ mit ihren GoPros gegenseitig filmen, wenn der Walhai denn auf- bzw. abtaucht.
Da das Wasser so gar nicht mein Metier ist, bin auf den Philippinen kaum auf meine Kosten gekommen. Es hätte wohl die eine oder andere Wanderung geben können, aber dazu hätte Phim mich mit dem Roller ins Landesinnere fahren müssen, was sie gerne gemacht hätte – allein, sie selbst bewegt sich nicht gerne zu Fuß fort …
Trotz alledem möchte ich die Erfahrung Inselhopping auf den Philippinen nicht missen. Das Schönste und Eindrucksvollste waren wieder einmal die zahllosen Begegnungen mit den Einheimischen, die überwiegend gut Englisch sprechen und es an Interesse den Fremden gegenüber und an Hilfsbereitschaft, Warmherzigkeit und Lebensfreude nicht mangeln lassen.

