Meine letzte Winterreise (insbesondere die ersten sechs Wochen in Südindien und die vier Wochen auf den Philippinen) stellte nicht erst in der Rückschau eine klare Überforderung für mich dar. Ich hatte mir viel zu viel Neues, Unbekanntes, Herausforderndes zugemutet ohne gleichzeitig für Ruhe und Erholungsmöglichkeiten zu sorgen.
Die ersten gut drei Wochen in Tamil Nadu waren Stress pur (permanenter Lärm, Dreck und Schmutz ohne Ende, keine Rückzugmöglichkeiten, …), Kerala präsentierte sich dagegen ohne Vermüllung der Städte und Landschaften. Allerdings entschied ich mich aufgrund mangelnder Infrastruktur auf dem platten Land allzu oft für den Aufenthalt in touristischen Zentren, wo Tourimassen, Lärm, Hektik, Geldmacherei, … meinem Bedürfnis nach Individualreise mit authentischen Begegnungen diametral entgegen standen.
Auch die vier Wochen im Januar zusammen mit Phim auf den Philippinen brachten nur teilweise Entspannung für mich. Sehr schnell war klar, dass ich hier nicht hin gehöre. Es ist in erster Linien eine Destination für Strandurlauber, WassersportlerInnen und Partyvolk. Sobald ich die Kulissen für diese Zielgruppen auf meinen Spaziergängen und Wanderungen hinter mich lasse, offenbart sich mir eine dermaßen schreckliche Armut bei Einheimischen, dass ich hilflos bin, natürlich nicht willkommen und mich dafür schäme, wie ein Voyeur in Intimbereiche eingedrungen zu sein. Darüber hinaus haben wir in den vier Wochen zweimal ein Gespür dafür bekommen, was es für mittellose Einheimische bedeutet, den Naturgewalten (Unwetter) ausgesetzt zu sein.
Mein alternder Körper hat auf diese in Zusammenfassung beschriebenen Stressoren deutlich reagiert: zunächst auf der Reise mit Schlappheit, Lustlosigkeit und hin und wieder kleinen Erkrankungen der Atemwege, die ich aber entweder ertragen oder mit Hilfe von ayurvedischen Medikamenten kurieren konnte. Als jedoch nach meiner Rückkehr in Thailand im Februar die innere Anspannung von mir abfiel, weil ich mich wieder in gewohnten Fahrwassern bewegte, kamen deutlichere Signale: Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, der Tremor in meiner rechten Hand nahm zu. Mehrere Arztbesuche – zwei davon in der Notaufnahme von Krankenhäusern – waren notwendig, weil äußerst schmerzhafte Entzündungen in meinem rechten Ohr (sowohl Mittelohr als auch Gehörgang) trotz Antibiotikatherapien über Wochen andauerten. Parallel dazu bildete sich ein Taubheitsgefühl in meiner linken Gesichtshälfte, was mich am allermeisten verunsicherte, weil es bis weit in den April unvermindert anhielt und eine wahre Arztpraxenoddysee in Wuppertal bei mir auslöste.
Ein Schädel-MRT, das ich auf Anraten meines HNO-Arztes anfertigen ließ, gab zwar keinerlei Hinweise auf das Taubheitsgefühl im Gesicht, machte aber zwei alte Schlaganfälle sichtbar, die ich irgendwann unbemerkt erlitten haben muss. Mein Hausarzt gab Entwarnung und sprach von einem Phänomen, das in meiner Altersgruppe nicht selten anzutreffen sei. Trotzdem riet er mir zur Untersuchung der Halsschlagadern und zu einem Langzeit-EKG. Beide Untersuchungen blieben ohne Befund.
Ohne dass ich das im Nachhinein sicher konkrete Zusammenhänge belegen könnte, war mein Zahnarztbesuch der Gamechanger. Substitution mit verschiedenen Vitaminkomplexen, um Knochen- und Zahnfleischschwund zu verlangsamen; Erneuerung einer maroden Brücke im Kiefer links oben inklusive Kariesbehandlung und Erneuerung zweier Zahnkronen auf der rechten Seite, die aufgrund des Zahnfleischrückganges keinen Schutz mehr für die überkronten Zähne boten. Mehrere schmerzhafte Sitzungen waren zu ertragen – letztendlich aber waren das Taubheitsgefühl in der linken Gesichtshälfte, das mich ca. 10 Wochen lang begleitet hatte, verschwunden, der Tremor in meiner rechten Hand sank wieder auf ein erträgliches Maß, ein – bisher gar nicht erwähnter – in unregelmäßigen Abständen bei bestimmten Kauaktivitäten (z.B. Nüsse oder Äpfel) einschießender höllischer Schmerz in meinem linken Kiefergelenk ist verschwunden und meine Zähne fühlen sich nach der Sanierung wieder richtig gut an.
Nachdem das Wetter im Mai und Juni wochenlang usselig (kalt und nass) war, herrscht seit ungefähr einer Woche eine Bullenhitze im Tal. Die Temperaturen werden in den nächsten Tagen noch auf 40° und mehr steigen und nachts nicht unter 25° sinken. Sportliche Aktivitäten wie Gravelbiken verbieten sich von selbst, aber zumindest habe ich zwei kleine Wanderungen in den schattenspendenden Wäldern von Cronenberg und Herbringhausen gemacht und dabei weiter meine neue Handykamera getestet. Ich bin ganz zufrieden.












Einen wunderbaren Poetryslam mit ganz hervorragenden Künstlern – ein deutlich höheres Niveau als beim Börsenslam – erlebe ich im K4 Theater und bin darüber hinaus sehr zufrieden mit den geschossenen Bühnenbildern.





