nur für’s Protokoll

Heute ist Samstag. Am Donnerstagabend war ich in der Sprechstunde einer HNO-Fachpraxis. Auf Anraten meiner unheimlich hilfsbereiten Vermieterin

bin ich eine Viertelstunde vor Sprechstundenbeginn vor der Praxis. Dort stehen schon einige Patientinnen. Ich trage mich als Nr. 4 in die bereitliegende Anmeldeliste ein. Um 17:00h öffnet sich die Tür zu einem kleinen Raum, der von einem Anmeldetresen mit drei Arzthelferinnen dahinter beherrscht wird. Die einzige Wartebank an der Wand ist schnell besetzt, ebenso die drei Stühle, auf denen diejenigen Platz nehmen, die als nächste behandelt werden. In Reihenfolge der Anmeldeliste wird man an den Empfangstresen gerufen. Dort Blutdruckmessen, Reisepasskopieren und Symptomeprotokoll. Dann übt man sich in Geduld, weil Frau Doktor warten lässt. Sie arbeitet nämlich im städtischen Krankenhaus, folglich beginnt ihre private Sprechstunde erst nach Dienstschluss – in meinem Falle um 17:40h. Inzwischen ist der Empfangs-/Warteraum überfüllt. Einige PatientInnen stehen, andere warten draußen auf dem Bürgersteig. Ein in seiner Mobilität stark eingeschränkter alter Mann sowie eine Mutter mit Kleinkind werden bevorzugt behandelt, so dass ich von Position 4 auf Rang 6 abrutsche.
Die junge Ärztin spricht mit mir, untersucht mich gründlich, reinigt meinen linken Gehörgang, zeigt mir auf dem Bildschirm ein sehr unappetitliches Bild vom Inneren meines rechten Ohres, bestätigt die Mittelohrentzündungsdiagnose ihrer Kollegin aus Chai Nat, stellt aber darüber hinaus eine Gehörgangsentzündung fest, die ich mit antibiotischen Ohrentropfen behandeln soll. Sie verfasst außerdem einen Arztbrief, den ich bei Bedarf auf meiner Reise anderen Ärzten vorlegen kann. Knapp zwei Stunden später verlasse ich mit Arztbrief, Ohrentropfen und einem guten Gefühl die Praxis. Ich zahle 750.- Baht (rd 21.-€) beim Auschecken.
Heute Abend werde ich die letzte Antibiotikumtablette schlucken. ich habe nicht das Gefühl, dass die Mittelohrentzündung kuriert ist. Das Ohr nässt nach wie vor (vielleicht die Gehörgangsentzündung?), Hörleistung tendiert gegen Null, stattdessen permanentes Rauschen.
Was mich aber weit mehr verunsichert ist ein umfassendes, kontinuierliches Taubheitsgefühl in meiner linken Gesichtshälfte. Es ist das gleiche Gefühl, das man nach einer intensiven Zahnbehandlung hat, wenn die zuvor erhaltene schmerzbetäubende Spritze in ihrer Wirkung nachlässt. Es ist ausschließlich der linke Nasenflügel, die linke Wange, der linke Oberkiefer , … betroffen, also taub. Auf der rechten Gesichtshälfte und oberhalb der Wangenknochen (Augen, Schläfen, Stirn) fühlt sich alles normal an.
Meine Hoffnung ist, dass dieses Symptom durch die starken Medikamente, die mein Körper nicht gewohnt ist, ausgelöst wird. Wäre schön, wenn der Spuk morgen, nachdem ich weder Antibiotikum noch Schmerztablette zu mir nehme, vorbei wäre.

Ich habe ein Riesenglück, dass ich meine krankheitsbedingte Auszeit hier in Uthai Thani nehmen kann. Nettes, kleines, ruhiges Städtchen, nette Unterkunft. Mein Tagesablauf ist monoton:
Nachdem ich gegen acht Uhr aufgestanden bin, gehe ich in ein Restaurant eine Straße weiter zum Frühstücken. Reis mit scharfer Soße und magerer, gedämpfter Hühnerbrust (ohne Haut), viel zu wenig Grünzeug, Hühnerbrühe, Wasser

Anschließend – nachdem ich im Guesthouse meine Medikamente eingeschmissen habe – suche ich mir in der Nähe des Marktes ein schattiges Plätzchen im Schatten zum Lesen (Michael Kleeberg, Vaterjahre – eins der schönsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe).
Um 12:00h habe ich einen festen Termin bei Kalaya zur Thai Massage with oil. Eineinhalb wunderbare Stunden sich selbst spüren zwischen Schmerz und Genuss.
Auf dem Rückweg gibt es dann einen Cappuccino und was Süßes in meinem Lieblingscafe

Ab 17:00 sind die Temperaturen aushaltbar, so dass ich über den night food market schlendere, mir mein Abendessen zusammenstelle und dieses am Flussufer bei untergehender Sonne und 360° Kino gemütlich verspeise. Ich sitze auf dem Ponton, zu dem die Einheimischen kommen, um die Fische im Fluss zu füttern (buddhistische Praxis um gutes Karma zu sammeln). Das Futter kauft man am Stand vor dem Ponton und wirft es ins Wasser, das darauf hin zu brodeln anfängt durch die Unmegen an zappelnden Fischleibern, die gierig um die besten Happen kämpfen.
Mein Essen gestern

Ausblick beim Essen

Abschließend Medikamenteneinnahme, Fotos bearbeiten, Reisetagebuch schreiben, Serie gucken

Am Montag hat diese faule Leben ein Ende, ich fahre weiter nach Suphan Buri



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